Das Kurort – Prädikat – Zeichen für Qualität und zugleich Alleinstellungsmerkmal eines Ortes

18. September 2017
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Die Prädikatisierung eines Kurortes oder Heilbades ist ein aufwendiges Verfahren und wird in den einzelnen Bundesländern von der jeweiligen Landesregierung vorgenommen. Berechtigte Antragssteller sind die Kommune bzw. einzelne ihrer Ortsteile. Je nachdem, welche Artbezeichnung beantragt wird, müssen unterschiedliche Voraussetzungen nachgewiesen werden. Maßgeblich sind hierbei die Qualitätsstandards des Deutschen Heilbäder-verbandes e.V. sowie die gesetzlichen Voraussetzungen des Kurortegesetzes von Baden-Württemberg.

Die Anträge müssen für alle Artbezeichnungen beim örtlich zuständigen Regierungspräsidium gestellt werden. Mit der Antragstellung sind alle zur Beurteilung der Voraussetzungen erforderlichen Unterlagen vorzulegen, welche von Prädikat zu Prädikat verschieden sind. Darunter fallen auch ein entsprechender Ortscharakter und infrastrukturelle Einrichtungen. Zusätzlich müssen bestimmte Gutachten, abhängig von der Art des Heilmittels, nachgewiesen werden. Bei Heilmitteln des Bodens bedarf es z.B. einer Heilwasser-, Heilgas- oder Peloidanalyse und eines ärztlich-balneologischen Gutachtens. Bei dem Klima als Heilmittel wiederum sind Kurortklimagutachten, Luftqualitätsgutachten, eine medizinisch-meteorologische Begutachtung, eine medizinisch-klimatologische Beurteilung und Kontrollgutachten notwendig.

Prädikatisierungsverfahren lohnt sich

Der ganze Aufwand lohnt sich jedoch für den Ort. Ist ein Kurort oder Heilbad erfolgreich prädikatisiert, darf in bestimmten Artbezeichnungen der Zusatz ‚Bad‘ im Ortsnamen getragen werden. Spätestens alle zehn Jahre wird überprüft, ob das Prädikat im Kurort oder Heilbad noch gerechtfertigt ist und dementsprechend weiterhin genehmigt oder aberkannt wird. Das führt dazu, dass eine gewisse standardisierte Qualität im Kurort / Heilbad sichergestellt wird, wovon wiederum die Gäste und auch die Bewohner selbst profitieren.

Durch einen, dem Kurort entsprechenden Ortscharakter und hierfür notwendige Einrichtungen wird zudem ein deutlicher Mehrwert für die Bevölkerung geschaffen, eine steigende Zufriedenheit unter den Einwohnern erreicht und Attraktivität für den Zuzug neuer Bewohner generiert. Das Prädikat ist demnach gleichermaßen ein Außen- wie Innenmarketing-Instrument.

Laut einer aktuellen Befragung des Instituts für Freizeit- und Tourismusberatung (ift) in Köln ist es für die Mehrheit der Befragten bei der Auswahl des Ortes zur Durchführung einer Präventions- oder Rehabilitationsmaßnahme oder eines Gesundheitsurlaubes wichtig, dass diese in einem Kurort stattfindet, der staatlich geprüft und überwacht wird. Als weitere Stärke der Prädikate wird von den Betrieben die klare Abgrenzung zu nicht gesundheitstouristischen Mitbewerbern gesehen.

Ein Zeichen für umfassende Qualität des Ortes

Das Prädikat ist ein markantes Alleinstellungsmerkmal und der Nachweis für Qualität. Dadurch entsteht ein Wettbewerbsvorteil anderen Orten gegenüber und die Chance einer besonderen Wertigkeit des Ortes kann genutzt werden. Als Kneippheilbad oder -kurort z.B. besteht seit kurzem die Möglichkeit, die Kneipp-Heilverfahren als UNESCO-Kulturerbe zu vermarkten, neben dem Vorteil, dass hierfür kein ortsspezifisches Heilmittel notwendig ist. Weiterhin kann das Image positiv beeinflusst werden, denn die Kurorte in Baden-Württemberg stehen für medizinisch-therapeutische Qualität, Service und Barrierefreiheit.

Ist ein Ort erfolgreich prädikatisiert, ist er berechtigt, eine so genannte  Kurtaxe zu erheben. Diese stellt eine zusätzliche Einnahmequelle für den Ort dar, die zur Verschönerung des Ortsbildes und zur Verbesserung der Ortsinfrastruktur genutzt werden kann. Die Höhe darf auf der Basis gesetzlich vorgegebener Kalkulationen von jedem Ort selbst festgelegt werden.

Kurtaxe als zusätzliche Einnahmequelle

Des Weiteren erhalten Kurorte und Erholungsorte mit jährlich mehr als 50.000 kurtaxepflichtigen Übernachtungen aus dem Kommunalen Investitionsfonds pauschale Zuweisungen in Höhe von jährlich 6 Millionen Euro. Die Mittel werden auf die einzelnen Gemeinden nach dem Verhältnis der kurtaxepflichtigen Übernachtungen aufgeteilt und sollen für Investitions- und Unterhaltungsmaßnahmen verwendet werden.

Für den Präsidenten des Heilbäderverbandes Baden-Württemberg, Fritz Link, zugleich Bürgermeister des Heilklimatischen Kurortes und Kneipp-Kurortes Königsfeld im Schwarzwald und Mitglied im Vorstand des Deutschen Heilbäderverbandes, ist das Prädikat zentraler Ausdruck von staatlich geprüfter Qualität in den jeweiligen Orten. „Mit der bei uns im Land anstehenden Novellierung der Kurortegesetzes sowie dem jüngst im Auftrag der Landesregierung erarbeiteten Gutachten zur Fortentwicklung des Heilbäder und Kurortewesens sind die Vorboten für eine Qualitätsoffensive des Landes im Bereich der prädikatisierten Orte gelegt.“

Die Vorteile des Prädikats im Überblick:

  • Tragen des Zusatzes „Bad“ im Ortsnamen bei bestimmten Artbezeichnungen
  • Erhöhung der Lebens- und Wohnqualität im Ort
  • Erhöhung der Außen- wie Innenattraktivität des Ortes
  • Bessere Außenvermarktung möglich
  • Imageverbesserung des gesamten Ortes
  • Schaffung einer zusätzlichen Einnahmequelle durch die Kurtaxe
  • Finanzielle Zuweisungen aus dem Kommunalen Investitionsfonds

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