Totgesagte leben länger

11. Januar 2018
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Nichts ist so beständig wie der Wandel. Der dem griechischen Philosophen Heraklit zugeschriebene Satz wird gelegentlich arg strapaziert. Und verkommt so zur nichtssagenden Floskel. Andererseits scheint es mitunter so, als sei dieses geflügelte Wort eigens für DMOs, also Destination Management Organisationen, erfunden worden.  Denn auf diese passt der Satz wie die Faust aufs Auge.

Der Kurdirektor von gestern braucht heute weniger eine Sekretärin, welche die Telefonanrufe des Herrn Bürgermeisters entgegennimmt, als vielmehr einen Chief Digital Officer. Und hieß es gestern noch: Anzeigen schalten und Vertriebsplattform aufbauen, so lautet heute die Devise: Wenn du nicht auf die sozialen Medien setzt, bist du ganz schnell weg vom Fenster! Tatsächlich haben neunmalkluge Menschen der DMO nicht nur einmal das Ende vorhergesagt. Doch Totgesagte leben länger. Wer sich anpasst, mit dem rasenden Fortschritt mitzuhalten vermag,  weiterdenkt und sich weiterbildet, macht sich unersetzlich und wird gebraucht.

Beispiel Vertrieb. Viele Destination Management Organisationen haben sich in Zeiten von Booking/Priceline und Airbnb aus diesem Aufgabenfeld zurückgezogen, schon weil es die Großen besser und professioneller hinkriegen und weil solche global agierenden Unternehmen eine beeindruckende Marktabdeckung erreicht haben. Manche DMO sieht ihre Aufgabe immerhin (noch) in der Unterstützung ihrer Leistungsträger beim Erreichen der Vertriebsfähigkeit. Im ländlichen Raum Ostbayerns setzt das die regionale DMO recht erfolgreich um. Jede DMO sucht ihren eigenen Weg, Blaupausen gibt es nicht.

Ausschließlich mit Marketingaufgaben bescheidet sich ebenfalls kaum noch eine DMO. Viele neue Aufgaben sind dazugekommen oder kommen laufend dazu. Die DMO ist vielfältige Dienstleisterin, Marktforscherin, Innovatorin und Impulsgeberin, politische Lobbyistin, Infrastruktur-Anschieberin, Qualitätscoach, Aus- und Weiterbilderin, Beraterin, Produktentwicklerin bzw. Produktentwicklungsunterstützerin usw. Und immer wieder Netzwerk-Organisatorin und (An-)Treiberin.  Anzutreiben gilt es die Leistungsträger, die Politik, die nicht-touristischen Akteure einer Destination. Ein Feld, das wohl nie zu Ende bestellt ist.

Das M in DMO kann insofern vielfach verwendet werden: Marketing, Management, Makler. Letzteres erhält immer größeres Gewicht: Im weitesten Sinne geht es um den Handel mit und das Vertreiben von Daten, Texten, Bildern, Filmen etc., neudeutsch auch Content genannt. Es ist mittlerweile die wichtigste Währung touristischer Kommunikation und der eigentliche Schatz einer DMO, ein Schatz an Wissen, Informationen und vor allem Geschichten, die auf den unterschiedlichsten Kanälen hereinkommen und auch wieder ausgespielt werden können. Dies zu organisieren, ist heute Kernkompetenz einer DMO.

Gute Geschichten wiederum brauchen magische Momente, authentische Erlebnisse und qualitätvolle Produkte. Ansonsten werden sie von den Gästen rasch als leere Versprechen entlarvt. Die Transparenz im Netz macht’s möglich. Das, immerhin, war im Grundsatz schon immer so. Beruhigend die Erkenntnis: Bei allem Wandel und allen Veränderungen gibt es auch Konstanz und Kontinuität. Man könnte auch formulieren: Die Arbeit geht nicht aus.

Braun bloggt – Andreas Braun schreibt an dieser Stelle über Fragen rund um den Tourismus. Es sind Einwürfe und Gedanken. Reaktionen sind erwünscht, auch Widerspruch. Das Ziel: ein fruchtbarer Diskurs über unsere Branche und darüber, was uns umtreibt.


Autor(in): Andreas Braun
Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg
Geschäftsführer
E-Mail: a.braun@tourismus-bw.de
Telefon: +49 (0)711 / 23858-20
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