8. Mai 2018

Das Land

Kürzlich habe ich in einem Kommentar die offenbar rhetorisch gemeinte Frage gelesen, wozu denn ein Bundesland überhaupt ein Tourismuskonzept brauche. Noch dazu ein Land, das wie Baden-Württemberg gar keine Destination sei. Hoppla, dachte ich, ist Baden-Württemberg etwa kein mögliches Ziel? Das allerdings wäre mir wirklich neu. Vermutlich war „Destinationsmarke“ gemeint. Das ist unser Bindestrich-Bandwurm-Bundesland Baden-Württemberg wohl wirklich nicht. Bewusst wird das dem geneigten Betrachter, wenn er uns etwa mit Bayern vergleicht. Immerhin teilen wir dieses Schicksal mit gar nicht wenigen anderen Bundesländern.

Doch was macht denn zum Beispiel die TMBW anderes, als die Destinationen im Land zu unterstützen, Regionen wie Städte, kleine und große? Die starken Marken werden sogar ganz vorne ins Schaufenster gestellt, Beispiel Schwarzwald oder Bodensee. Geholfen wird aber auch und gerade den Schwächeren – so durch Themenmarketing oder Pressearbeit. Wäre ja noch schöner, wenn’s nicht so wäre! Die TMBW agiert auf Landesebene, aber ihre „Besitzer“ sind die Regionen.

Auf Landesebene wird koordiniert, gebündelt, werden Kommunikationsnetze geflochten, wie unter anderen auch dieses digitale Netzwerk, hier werden Marktforschung und Trendscouting betrieben, werden gemeinsame Qualitätsmaßstäbe formuliert und gesetzt, wird den gemeinsamen Interessen eine Stimme verliehen.  Für die Branche, für das bessere Verständnis von Tourismus, für die höhere Akzeptanz in Politik und Gesellschaft. Mehr noch, Rat und Empfehlung gibt’s in fast allen Lebenslagen – vom harzigen Thema Beihilfe bis hin zum nicht eben unterkomplexen Bereich Datenschutzgrundverordnung. Oder: wie gehe ich mit den Sozialen Medien um, wo setze ich sie sinnvoll ein? Schließlich: wer führt das mitunter bunte Trüpplein Interessierter auf die spannenden Auslandsquellmärkte? Richtig: für all diese Aufgaben und noch viel mehr steht die Landesmarketing-Organisation zur Verfügung. Sozusagen als Dienstleister.

Und auch die (Landes-)Politik spielt eine gewichtige Rolle. Die Bundesrepublik Deutschland hat bekanntlich eine föderale Verfassungsordnung. Die Bundesländer sind in Teilen souverän. Sie können Gesetze erlassen und in mancherlei Hinsicht die Richtung der Politik bestimmen. Ob ein Land beispielsweise dem Tourismus viel oder wenig Bedeutung beimisst, ob und wie es die Destinationen fördert – das fällt in die föderalen Entscheidungsspielräume und macht oft einen Riesenunterschied.

Die Destinationen draußen im Land haben wenig Grund zum Misstrauen gegenüber „dem Land“. Vielmehr muss es das Ziel aller Stakeholder im Tourismus sein, Gemeinsamkeiten zu definieren, die Kräfte zu bündeln, Solidarität untereinander zu üben und die Tourismuspolitik auf Landesebene zu stärken.

Braun bloggt – Andreas Braun schreibt an dieser Stelle über Fragen rund um den Tourismus. Es sind Einwürfe und Gedanken. Reaktionen sind erwünscht, auch Widerspruch. Das Ziel: ein fruchtbarer Diskurs über unsere Branche und darüber, was uns umtreibt.



Kommentare




  1. Armin Brysch sagt:

    … das alles und noch viel mehr! Ob beim Auslandsmarketing oder der Barrierefreiheit, unser System mit Subsidiaritätsprinzip führt auch bei nationalen oder europäischen Herausforderungen zu guten Lösungen und hat den Tourismus weit gebracht.

  2. Wolfgang Weiler sagt:

    Wieso sollte es Aufgabe der Destinationen und der Stakeholder sein, “die Tourismuspolitik auf Landesebene zu stärken”? Ist es nicht vielmehr so, dass die Tourismuspolitik die Stakeholder und die Destinationen stärken sollte? Dafür braucht es tatsächlich eine neue Konzeption.

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Autor(in)

Andreas Braun
Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg

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