Schwarzwälder informieren sich über Barrierefreies Rheinland-Pfalz

22. Oktober 2018
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Landkreistouristiker und Behindertenbeauftragte aus dem Schwarzwald waren am 22. Oktober zur Fachexkursion an der “Südlichen Weinstraße”. Sie ist eine von zehn Modellregionen in Rheinland-Pfalz zum Thema Barrierefreies Reisen. Die Experten aus dem Schwarzwald informierten sich über das bundesweite Zertifizierungssystem “Reisen für Alle”. Nathalie Hartenstein, bei Rheinland-Pfalz Tourismus verantwortlich für den Bereich Barrierefrei, begrüßte die Gäste kurz nach 11 Uhr und informierte über den Stellenwert von Barrierefreiheit als allgemeines Qualitäts- und Komfortmerkmal für den Tourismus Land.

Die Grundüberlegung: Nur knapp 10 Prozent der Bundesbürger sind schwerbehindert. Für sie seien barrierefreie Angebote “unentbehrlich”. Rund 40 Prozent der Bundesbürger sind aufgrund Krankheit, Alter oder Behinderung mobilitäts- oder aktivitätseingeschränkt, wenn auch vielleicht nur vorübergehend. Für sie sind barrierefreie Angebote “notwendig”. Aber 100 Prozent der Einwohner und der Urlauber “profitieren” von dem Komfortzuwachs durch barrierefreie Angebote.

Angestrebt wird in Rheinland-Pfalz ein möglichst hoher Grad der Barrierefreiheit nicht nur für mobilitätseingeschränkte Personen, sondern auch für Sprach- und Hörbehinderte, Sehbehinderte oder Blinde, für Gäste mit Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten, für Familien mit Kinderwagen oder auch für Personen mit schwerem Gepäck.

Hartenstein berichtete aus der Praxis, auch von den Anlaufschwierigkeiten der Zertifizierung und der erforderlichen Sensibilisierung für das Thema. Zum einen müsse ein Bewußtsein dafür geschaffen werden, dass Barrierefreiheit nichts mit Krankheit des Gastes oder dem sozialen Engagement des Betreibers zu tun hat, sondern durchaus eine nachhaltige und wirtschaftliche Investition und Strategie sein kann, um den Komfortansprüchen einer steigenden Zahl von reiseerfahrenen Gästen gerecht zu werden. Zum anderen müsse klar sein, dass es eine hundertprozentige Barrierefreiheit nicht geben könne, schon gar nicht für alle Arten von Einschränkungen. Wichtig sei, sich auf wenige ausgewählte Segmente eines Betriebes oder eines Angebotes zu konzentrieren und in diesem Bereich die Barrierefreiheit immer weiter zu perfektionieren.

Zusammen mit Christian Bohr, Projektleiter für barrierefreien Tourismus des Vereins “Südliche Weinstraße”, begleitete Nathalie Hartenstein danach die Schwarzwälder zu einigen Beispielen in der Modellregion. In St. Martin lernten sie im Hotel Schneider – Consulat des Weins, wie komfortabel eingerichtete Hotelzimmer vom Personal in nur wenigen Minuten für mobilitätseingeschränkte oder nicht eingeschränkte Komforturlauber umgerüstet werden können. Maria Bergold vom Büro für Tourismus in Maikammer stellte vor, wie die Touristinfo und die Gemeinde Maikammer Schritt für Schritt immer neue Aspekte der Barrierefreiheit umsetzen. Im Hambacher Schloss erklärte Schlossmanagerin Ulrike Dittrich, wie durch bauliche Maßnahmen und sensorische Maßnahmen das europäische Kulturdenkmal hoch über Neustadt/Weinstraße zu einem inklusiven Geschichtserlebnis wurde und weiter umgestaltet wird.

Dass Barrierefreiheit stets ein Prozess ist, der einfach nur begonnen und gegangen werden muss, war vielleicht eine der wichtigsten Erkenntnisse des Tages – unabhängig von dem jahrelangen Streit darüber, ob die Zertifizierungskriterien der TMBW oder des Zertifizierungssystems “Reisen für Alle” der meisten anderen Bundesländer angelegt werden sollen. Den Abschluss des Tages bildete ein “Barrierefreies Weinerlebnis und Abendessen” in der Straußwirtschaft Aloisiushof in St. Martin, bevor die Gruppe um 18.30 Uhr die Rückfahrt antrat.


Autor(in): Wolfgang Weiler
Projekt D - die Kommunikationshelfer
E-Mail: weiler@schwarzwald-tourismus.info
Telefon: 0170 3422862
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