Tourismuskonzeption: Regionalkonferenzen

31. Oktober 2018

In den vergangenen Wochen wurde der aktuelle Stand der Weiterentwicklung der Tourismuskonzeption des Landes Baden-Württemberg den touristischen Akteurinnen und Akteuren auf fünf Regionalkonferenzen vorgestellt.

 

Die Weiterentwicklung der Tourismuskonzeption zeichnet sich generell durch einen aufwändigen Partizipationsprozess aus:

  • In der Analysephase gab es eine groß angelegte Online-Umfrage unter den touristischen Akteurinnen und Akteuren (560 Beteiligte) sowie intensive Expertengespräche.
  • In den Prozess sind über die Projektgruppe die verschiedenen Regionen und Branchenverbände Baden-Württembergs ebenso eingebunden wie im Rahmen eines Ressortgremiums die verschiedenen betroffenen Ministerien.
  • Insgesamt knapp 100 Teilnehmer brachten ihr Wissen und ihre Meinungen in vier Themenworkshops ein, von welchen wir hier auf dem Tourismusnetzwerk bereits berichteten.

 

All diese Analysen und Diskussionen führten zu ersten wesentlichen Eckpfeilern der neuen Tourismuskonzeption, welche es nun galt, in den Regionen vorzustellen und zu diskutieren. Mehr als 250 Akteurinnen und Akteure aus dem Tourismus (aus den Marketingorganisationen, Kommunen, Landkreisen, Gastgewerbe u.a.) kamen zu diesen Veranstaltungen nach Sasbachwalden für den Schwarzwald, nach Waiblingen für die Region Stuttgart, nach Neckarsulm für die Regionen des Nördlichen Baden-Württembergs, nach Bad Waldsee für Oberschwaben/Württembergisches Allgäu und Bodensee sowie nach Blaubeuren für die Schwäbische Alb.

Regionalkonferenz Sasbachwalden

Minister Guido Wolf MdL bei der Regionalkonferenz in Sasbachwalden (Foto: dwif)

 

Welche Themenbereiche wurden präsentiert und diskutiert?

Zum Einstieg präsentierten die Vertreter der beiden beauftragten Agenturen, dwif-Consulting GmbH und Tourismuszukunft, die Schlussfolgerungen aus der durchgeführten Analyse sowie die hiervon abgeleiteten Ziele für die Weiterentwicklung der Konzeption. Einen ganz wesentlichen Aspekt stellt dabei das selbstbewusste Leitmotiv „Die Tourismusbranche ist eine Leitökonomie in Baden-Württemberg.“ dar.

Es folgten fünf Themenblöcke, für welche konkrete Maßnahmenvorschläge unterbreitet wurden.

  • Marke & Marketing: Wie bereits im Themenworkshop Marke & Marketing erarbeitet, soll die Markenwelt in Baden-Württemberg zukünftig aus der Herkunftsmarke „Wir sind Süden“, thematisch ausgerichteten Produktmarken sowie starken Einzelmarken bestehen. Für die Produktmarken wurde ein erster Vorschlag unterbreitet, welche Themen zukünftig im Fokus des Landesmarketings stehen sollen. Über dieses Strategiefeld diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer besonders intensiv und teilweise auch kontrovers – von der Forderung zu mehr Fokus bis hin zur Ergänzung um weitere Themen reichte die Palette der Anmerkungen. Besonders stark diskutierte Themen: Radfahren/Mountainbike sowie Städtetourismus. Der erste Aufschlag wird auf Basis der Diskussionen noch angepasst und in einem zweiten Schritt mit relevanten Zielgruppen verschnitten, sodass eine gute Basis für das zukünftige zielgruppenorientierte Themenmarketing vorliegt.
Regionalkonferenz Waiblingen

Kristine Honig, Tourismuszukunft, präsentiert die aktuellen Vorschläge für den Themenbereich Marke/Marketing. Hier in Waiblingen. (Foto: dwif)

 

  • Aufgaben, Strukturen & Aufgabenverteilung: Einen wesentlichen Part in diesem Strategiefeld stellt die Schärfung der Strukturen und Aufgabenteilung der Tourismusorganisationen auf den verschiedenen Ebenen dar. Es herrscht Konsens darüber, dass die Aufgaben der Landesebene, der regionalen Ebene, der subregionalen/lokalen Ebene sowie der Landkreise und der Branchenverbände klar benannt werden müssen – inklusive der Aufgaben, welche von diesen zukünftig nicht mehr übernommen werden sollen. Diese klare Benennung ist eine deutliche Weiterentwicklung im Vergleich zur vorliegenden Tourismuskonzeption von 2009 und soll dafür sorgen, Doppelstrukturen und Redundanzen deutlich zu verringern. Wichtig ist bei den Aufgaben ebenso eine klare Fokusverlagerung weg von Marketing und Vertrieb hin zu Produktentwicklung und Innenmarketing.
Regionalkonferenz Bad Waldsee

Wie zufrieden sind die Teilnehmer mit den aktuellen Maßnahmenvorschlägen? Feedback mit Hilfe von grünen und roten Karten. Hier in Bad Waldsee.

 

  • Digitalisierung: Zwar ein eigener Themenblock, der sich jedoch ebenso durch alle anderen Bereiche durchzieht. Ziel ist, die Chancen der Digitalisierung in allen Bereichen (z. B. technische Infrastruktur, interne Prozesse, Produktentwicklung und Service) aktiv zu nutzen. Die Institutionen des Landes wirken dabei als Koordinator und Impulsgeber. Ein wesentlicher Part im Rahmen der Regionalkonferenzen war die Diskussion darüber, welche konkreten Maßnahmen zur Sensibilisierung, Begeisterung, Qualifizierung und Weiterbildung der touristischen Akteurinnen und Akteure getroffen werden können. Klares Feedback: Es gibt bereits viele Angebote, oft mangelt es aber an der klaren und übersichtlichen Kommunikation über diese.
  • Gastgewerbe: Das Gastgewerbe ist die Basis für jedwedes touristische Angebot. Entsprechende Relevanz bekommt dieses in der Tourismuskonzeption des Landes. Die Akteure machten deutlich, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen, Bürokratie und Fachkräftemangel es dem Gastgewerbe aktuell nicht einfach machen. Das Land möchte in vielen Bereichen eine Verbesserung unterstützen. Allerdings sind hier noch viele Abstimmungen und v.a. politische Entscheidungen erforderlich. Zudem soll die Kommunikation vorhandener Förderinstrumentarien (z. B. Startup, Unternehmensnachfolge, Digitalisierung) verbessert werden. Beim Thema Fachkräftemangel sind Imagekampagnen für das Gastgewerbe sowie Sensibilisierungsmaßnahmen an Schulen/Projekte angedacht ebenso auch hier eine Verbesserung der Kommunikation bestehender Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote.
Regionalkonferenz Blaubeuren

Markus Seibold, dwif-Consulting GmbH, präsentiert die aktuellen Ideen und Maßnahmenvorschläge für die Tourismuskonzeption des Landes Baden-Württemberg in Blaubeuren.

 

  • Infrastruktur/Mobilität: Dieser Bereich beschäftigte sich mit den Punkten Mobilität, Freizeitinfrastruktur, Tourismus für Alle sowie Nachhaltigkeit/Ressourcenschutz. An vielen Stellen geht es auch hier um die Sensibilisierung der Akteure sowie die Information über beispielsweise bereits bestehende Fördermöglichkeiten im Infrastrukturbereich. Gerade in diesem fünften Strategiefeld kann die frühzeitige Einbindung der weiteren Ministerien im Rahmen des Ressortgremiums ihre Stärken ausspielen.
Regionalkonferenz Neckarsulm

Positives Feedback und engagierte Diskussionen gab es bei jeder der fünf Regionalkonferenzen. Hier: Neckarsulm.

 

Der gebrachte Input sowie die überaus engagierten Diskussionen mit den Akteurinnen und Akteuren im Land helfen uns sehr, die Tourismuskonzeption zu einer „echten“ Konzeption des Landes Baden-Württemberg zu entwickeln. Ein ganz herzlicher Dank deshalb auch an dieser Stelle an alle, die dabei waren!

In der Analyse der vorherigen Tourismuskonzeption zeigte sich, dass 55% aller Akteurinnen und Akteure im Land die Vorgängerkonzeption nicht kannte. Durch die breite Einbindung der Touristikerinnen und Touristiker bereits in der Konzeptionsphase sowie die klare Benennung konkreter Maßnahmenvorschläge erhofft sich das Ministerium der Justiz und für Europa eine stärkere Wahrnehmung und Verbindlichkeit. Ein aktives Umsetzungsmanagement soll die Verwirklichung der Ziele begleiten.

 

Wie geht es jetzt weiter?

Die Ergebnisse aus den Regionalkonferenzen werden in der Lenkungsgruppe, der Projektgruppe und dem Ressortgremium bilanziert und entsprechend in den aktuellen Stand eingearbeitet.

Danach erfolgt die konkrete Formulierung des Konzeptentwurfs.

Der nächste Schritt ist dann die politische Ebene mit einer Diskussion im Tourismusbeirat, der Kabinettsbefassung zum Entwurf, einer Landtagsabstimmung im Ausschuss für Europa und Internationales sowie dem letztendlichen Kabinettsbeschluss, an welchen sich voraussichtlich Mitte 2019 die öffentliche Präsentation der Tourismuskonzeption anschließt.


Autor(in): Anja Opper
Ministerium der Justiz und für Europa Baden-Württemberg
E-Mail: tourismuskonzeption-bw@tourismuszukunft.de
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2 Kommentare

Kommentare




  1. Dr. Hans-Joachim Röhl sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    um den Tourismus im Ländle, insbesondere der Schwäbischen Alb zu fördern und nachhaltig zu gestalten kann man über ein eindrucksvolles Besucherzentrum an der A 8 kurz vor dem Albaufstieg zwischen Flughafen STR und Kirchheim Teck nachdenken.
    Darin können sich die namhaften Unternehmen der Alb präsentieren und auch die Themen Stuttgart 21 und Erneuerbare Energien abgehandelt, sowie die natürlichen Besonderheiten der Region mit Verweisen auf Museen und bestehende regionale Besucherzentren gegeben werden. Das Gebäude muss extravagant als Plus-Energiegebäude realisiert werden und die Parkplätze mit einer Vielzahl an Lasdestationen ausgestattet werden. Die didaktische Umsetzung muss von erfahrenen Museumskonzeptionisten ggfs. aus den USA, GB oder Frankreich übernommen werden.
    Das ist dann ein Magnet, der die Reisenden animieren wird Stops in BW einzulegen und wird die Übernachtungszahlen steigern. Die Finanzierung sollte von den Unternehmen und der Hotelerie/Gastronomie übernommen werden.

    Mit den besten Grüßen und Wünschen,

    H.-J. Röhl

  2. Anja Opper sagt:

    Sehr geehrter Herr Röhl,
    vielen Dank für Ihre Idee, die ja schon sehr konkret ist und schön eine mögliche Verknüpfung der Industrie-Unternehmen mit dem Tourismussektor darstellt.
    Im Rahmen der Weiterentwicklung der Tourismuskonzeption des Landes Baden-Württemberg beschäftigen wir uns mit der großen Richtung, in welche sich der Tourismus in Baden-Württemberg weiterentwickeln soll (z.B. Strukturen & Aufgabenverteilung, Themen & Zielgruppen, Gastgewerbe & Qualifizierung). Solche konkreten Baumaßnahmen, wie von Ihnen genannt, zu initiieren, ist dabei kein Bestandteil.
    Losgelöst von der Tourismuskonzeption könnten und sollten solche Projekte bei und mit den zuständigen Akteuren angeregt und diskutiert werden – selbstverständlich nach entsprechender sorgfältiger Prüfung der Möglichkeiten und Voraussetzungen.
    Mit besten Grüßen,
    Anja Opper

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