5. Februar 2019

Nachhaltig? Aber ja doch!

Hand aufs Herz: Welcher Touristiker mag schon das Wort „nachhaltig“! Dafür wurde es schon zu sehr breitgetreten, zu inflationär gebraucht. Zudem ist es für manche ein Reizwort. Vor allem für diejenigen, die an umweltgerechte Zwangsbeglückung denken. Dabei ist Nachhaltigkeit im Tourismus längst ein intern und auf fachlicher Ebene gebräuchlich gewordener Begriff für Qualität, genauer: für Qualität in Perspektive, also auf längere Sicht. Eine bare Selbstverständlichkeit. Ein touristisches Projekt zum Beispiel hat nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn es auf längere Sicht Wirtschaftlichkeit verspricht, die Menschen vor Ort mitnimmt bzw. bei den Einheimischen auf Akzeptanz stößt und wenn auch mit Ressourcen, Umwelt und Natur maßvoll und möglichst schonend umgegangen wird. Der Begriff lässt sich vielfach auffächern und ausdifferenzieren. In diesem Sinne wäre es kulturell nachhaltig, wenn ein touristisches Projekt auch die Traditionen am Standort einbezöge oder zumindest darauf Rücksicht nähme. Und zu sozialer Nachhaltigkeit zählt demnach nicht nur der für beide Seiten fruchtbare Ausgleich zwischen Gast und Bürger. Dazu gehören auch faire, gute Arbeitsbedingungen für die im Tourismus Beschäftigten. Gerade in Zeiten eines sich verschärfenden Arbeits- und Fachkräftemangels rückt dieses Thema immer mehr in den Fokus. Schließlich hängt die Zukunft vieler Betriebe davon maßgeblich ab. Überbordende Bürokratie einzudämmen und mehr Flexibilität zu ermöglichen, ist das eine Erfolgsrezept. Die Branche hat allen Grund und jedes Recht, dies gegenüber der Politik in Land und Bund immer wieder einzufordern. Das entlässt die Betriebe freilich nicht aus der eigenen Verantwortung. Stimmen Arbeitsbedingungen, Bezahlung, Atmosphäre, Miteinander? Im Grunde ist das nichts anderes als „soziale Nachhaltigkeit“. Auch wenn der Begriff selbst sicherlich verzichtbar ist.

Braun bloggt – Andreas Braun schreibt an dieser Stelle über Fragen rund um den Tourismus. Es sind Einwürfe und Gedanken. Reaktionen sind erwünscht, auch Widerspruch. Das Ziel: ein fruchtbarer Diskurs über unsere Branche und darüber, was uns umtreibt.



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