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Wirtschaftsfaktor Tourismus 2019 und Recovery-Szenarien

24. August 2020
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Der Tourismus im Land bleibt auch weiterhin ein bedeutsamer Wirtschaftsfaktor

Minister Guido Wolf sagte zu den jüngst veröffentlichten Zahlen der Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus“ und zur Erholung der Branche nach der Corona-Krise: „Der Tourismus in Baden-Württemberg muss möglichst schnell wieder sein Vor-Krisen-Niveau erreichen. Mit einem Bruttoumsatzvolumen von mehr als 25 Milliarden im Jahr 2019 ist er ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor und ein Jobmotor vor allem auch im ländlichen Raum.“

Bruttoumsatz erneut gestiegen

Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Land. Dabei handelt es sich um eine klassische Querschnittsbranche, von der viele andere Wirtschaftsbereiche wie Gastgewerbe, Einzelhandel, Dienstleister, regionale Produzenten und Handwerksbetriebe profitieren. Der Tourismus ist Umsatzbringer und leistet über Steuereinnahmen einen Beitrag zur Finanzierung der öffentlichen Haushalte. Als Jobmotor bietet der Tourismus Menschen vieler unterschiedlicher Berufsqualifikationen und Beschäftigungsverhältnisse (von der Saisonkraft bis zur Vollzeitstelle) Einkommensmöglichkeiten. Um die große Bedeutung der Branche beziffern zu können, hat das Justizministerium erneut die Berechnung des „Wirtschaftsfaktor Tourismus“ in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sind durchaus erfreulich.

Insgesamt haben die Touristen 25,3 Mrd. Euro im Jahr 2019 in Baden-Württemberg ausgegeben. Das Bruttoumsatzvolumen ist gegenüber dem Vergleichsjahr 2017 damit erneut gestiegen (+ 1,9 %). Diese positiven Entwicklungen sind nicht zuletzt das Ergebnis eines starken Gastgewerbes. Hier konnten Umsatzsteigerungen von über 5,7 % erzielt werden. Die Umsätze, die im Einzelhandel durch den Tourismus generiert werden, sind dagegen leicht rückläufig (- 1,3 %). Der touristische Einkommensbeitrag lag im Jahr 2019 bei 11,8 Mrd. Euro (+ 2,15 % gegenüber 2017).

Von der Wirtschaftskraft des Tourismus profitieren neben dem Gastgewerbe, dem Einzelhandel und den Dienstleistern auch die Kommunen deutlich. Allein aus Mehrwertsteuer und Einkommensteuer resultieren 2019 ca. 2,4 Mrd. € Steueraufkommen aus dem Tourismus in Baden-Württemberg (vorsteuerbereinigt), das als Gemeinschaftssteuer Bund, Ländern und Kommunen zukommt. Darüber hinaus erzeugt der Tourismus beispielsweise durch Grundsteuer, Gewerbesteuer, Zweitwohnungssteuer, Kurtaxe (gezahlt durch den Gast) und Tourismusabgabe (gezahlt durch das Gewerbe) weitere bedeutende Einnahmen für die Kommunen.

 

Umsatzausfälle durch Corona und Erholung der Branche

Dass diese Erfolge jedoch nicht selbstverständlich, sondern das Ergebnis harter Arbeit sind, zeigt auch der Einbruch, den die Branche zuletzt durch die Corona-Krise erleiden musste. Den Berechnungen des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr an der Universität München (dwif) zufolge erlitt der Tourismus in Baden-Württemberg für den Zeitraum von März bis Mai 2020 einen Umsatzausfall von circa 5,5 Mrd. Euro.

Die Landespolitik verfolgte in den vergangenen Jahren stets den Ansatz, dass man den Tourismus stärken und auch auf Zeiten vorbereiten muss, in denen die Zahlen nicht mehr steigen oder, wie aktuell, Krisen die Branche erschüttern. Dazu ist die Tourismuskonzeption des Landes eine zentrale Grundlage und vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen vielleicht sogar wichtiger denn je. Zur schnellen Erholung der Branche ist es zentral, die große Bedeutung des Tourismus herauszustellen und für dessen Querschnittscharakter zu sensibilisieren, aber auch die Kooperationen zwischen den einzelnen Akteurinnen und Akteuren zu stärken. „Corona kostete den Tourismus im Land in den Monaten März bis Mai 2020 wöchentlich 426 Mio. EUR. Das ist ein enormer Schaden, mit dem leider zu rechnen war, der sich nun aber erstmals konkret beziffern lässt. Es ist wichtig, dass wir die Auswirkungen der Corona-Pandemie sorgfältig analysieren und uns systematisch die verschiedenen Szenarien für eine wirtschaftliche Erholung anschauen“, sagte Tourismusminister Guido Wolf.

Das Justizministerium hat zusätzlich eine Prognose zur Erholung des Tourismus beauftragt. Auf Basis des Wirtschaftsfaktors sowie auf Grundlage allgemeiner Basisannahmen, segmentspezifischer und nachfragebasierter Annahmen wurden drei verschiedene Szenarien entwickelt, die eine Regeneration des Tourismus in Baden-Württemberg aufzeigen. Ziel ist es, möglichst schnell wieder das Ausgangsniveau vor Corona von 25,3 Mrd. Euro Umsatz zu erreichen. Dabei zeigt sich, dass der Tourismus deutlich stärker von der Krise betroffen ist als andere Branchen.

Unter Annahme einer bestmöglichen Regeneration können die Umsätze im Tourismus voraussichtlich im vierten Quartal 2021 wieder annähernd das Ausgangsniveau erreichen kann. Die erwarteten Umsätze im Tourismus liegen diesen Berechnungen zufolge je nach Szenario zwischen 8,3 bis 13,5 Mrd. Euro im laufenden Jahr.

Die vollständige Studie zum „Wirtschaftsfaktor Tourismus 2019 für Baden-Württemberg“ steht auf der Internetseite des Justizministeriums zum Download bereit.


Autor(in): Mara Konrad
Ministerium der Justiz und für Europa Baden-Württemberg
E-Mail: mara.konrad@jum.bwl.de
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2 Kommentare

Kommentare




  1. cloud26 sagt:

    Vielleicht wird es da auch mal Zeit sozusagen die Neukundengewinnung anzukurbeln. Der Tourismus hat sich so ja auch stark verändert, die Leute wollen noch reisen, aber nicht mehr so weit weg, da ergeben sich natürlich ganz neue Möglichkeiten, neue Touristen mit den richtigen Konzepten zu gewinnen.

    1. Mara Konrad sagt:

      Das ist ein guter Ansatz, den wir bereits aufgreifen, und z.B. im Rahmen der landesweiten und regionalen Re-Start-Kampagnen umsetzen, um vor allem den Menschen in Baden-Württemberg zu zeigen, wie attraktiv ein Urlaub im eigenen Land sein kann…..dabei haben wir die veränderte Gästeperspektive ständig im Blick!

      Die strategische Grundlage für die zielgruppenorientierte Weiterentwicklung des touristischen Angebots bilden unsere Tourismuskonzeption sowie die Marketingstrategie.

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