Armin Dellnitz im Interview: Zu viel Schwarzweiß-Denken

27. Oktober 2020
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Armin Dellnitz ist Geschäftsführer der Stuttgart-Marketing GmbH. Seine Stadt ist vom coronabedingten Rückgang der Geschäftsreisen besonders betroffen. Im Interview erzählt er, wie er Business-Gäste künftig länger in seiner Stadt halten möchte.

 

Herr Dellnitz, wie hoch ist der Anteil der Geschäftsreisenden in Stuttgart?

Sehr hoch. Das sind etwa 70 Prozent aller Übernachtungen.

Wie stark ist der Rückgang?

Wir erleben eine Achterbahnfahrt. Im Frühjahr erlebten wir den touristischen Stillstand, dann wurde es lebendiger und nun sind die Zahlen wieder rückläufig, von einem niedrigen Niveau aus betrachtet.

Gibt es Insolvenzen?

Mir sind bisher keine bekannt. Aber wir haben jetzt auch noch die Phase der Soforthilfen und gebildeten Rücklagen. Die Frage ist, was passiert, wenn alle wieder auf eigenen Beinen stehen müssen.

Wann könnte das Geschäft wieder anziehen?

Bis vor wenigen Wochen gingen wir von einem lebendigeren Herbst und Winter aus. Inzwischen müssen wir realistischerweise unsere Hoffnung auf ein besseres Jahr 2021 richten.

Viele haben in dieser Zeit Video-Konferenzen entdeckt. Denken Sie nicht, dass sich das Geschäftsreiseverhalten auch langfristig ändern wird?

Ich gehe davon aus, dass es auch nach dem Ende der Krise etwa 20 Prozent weniger Geschäftsreisen geben wird. Diese Annahme wird derzeit durch mehrere Markterhebungen bestätigt.

Klingt nach einem drastischen Einbruch auf Dauer.

Nicht unbedingt, da herrscht momentan zu viel Schwarzweiß-Denken.

Wie meinen Sie das?

Ich glaube, dass bei den künftigen Geschäftsreisen der Anspruch und damit auch die Qualität der Reise steigen wird. Darin erkenne ich durchaus auch eine Chance.

Inwiefern?

Vorausgesetzt, er findet das richtige Angebot, bleibt der Gast länger. Stichwort Anreise am Vortag, Abreise am Tag danach, attraktives Gesamtpaket. Das funktioniert nur, wenn alle Partner zusammenrücken und sich noch besser miteinander vernetzen.

Auf wen kommt es da an?

Die Business-Hotels müssen sich für die Destinationen öffnen. Das Hotel ist Teil eines Gesamtangebots. Der Kunde bucht sich in eine Erlebniswelt ein, die auf seine Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Sie blicken also zuversichtlich nach vorne?

Selbstverständlich. Wir sind in der Region Stuttgart touristisch gut aufgestellt. Wir werden die Krise gut meistern, auch wenn uns wahrscheinlich noch zwei bis drei harte Jahre bevorstehen.

 

Das Gespräch führte Andreas Steidel.

 

INFORMATION

Armin Dellnitz ist seit 2009 Geschäftsführer der Stuttgart-Marketing GmbH und Regio Stuttgart Marketing- und Tourismus GmbH. Der studierte Diplom-Betriebswirt sitzt darüber hinaus in zahlreichen touristischen Gremien und ist Vizepräsident des Deutschen Tourismusverbands e.V. sowie Vorstandsvorsitzender der Magic Cities Germany e.V.


Autor(in): Manuel Mielke
Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg
Stabstelle Kommunikation & Koordination
E-Mail: m.mielke@tourismus-bw.de
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