Historischer Einbruch der Tourismuszahlen

10. Februar 2021
Aktuelle Informationen zum Coronavirus (SARS-CoV-2) finden Sie hier.

Ein bislang nie dagewesener Einbruch der Gäste- und Übernachtungszahlen hat im Jahr 2020 die Tourismusbranche in Baden-Württemberg erschüttert. Die Zahlen der amtlichen Statistik zeigen nun schwarz auf weiß, wie massiv die Corona-Krise mit ihren zwei Lockdowns die Beherbergungsbetriebe im Land getroffen hat. Trotz regionaler Unterschiede: Unterm Strich steht überall ein dickes Minus.

Im Rückblick erscheinen die Auswirkungen der Finanzkrise vor rund zehn Jahren lächerlich klein. Damals waren die Tourismuszahlen in Baden-Württemberg zuletzt eingebrochen, 2009 gingen die Übernachtungszahlen landesweit um 2,8 Prozent zurück. Danach ging es nur noch nach oben. Ein größerer Rückgang war nicht zu erwarten, schon gar nicht in den Dimensionen des Jahres 2020. Eine globale Pandemie lag jenseits der Vorstellungskraft der Allermeisten.

Die am 10. Februar vom Statistischen Landesamt veröffentlichten Jahreszahlen zeigen nun die konkrete Tragweite der Corona-Pandemie für die Branche: Die Zahl der Übernachtungen brach im Vergleich zum Vorjahr um 40,2 Prozent ein und erreichte nur noch 34,2 Millionen. Die Gästeankünfte stürzten sogar um 48,9 Prozent auf gerade einmal 11,9 Millionen ab.

Um diese Zahlen historisch einzuordnen, muss man sich tief in die Archive der Landes-Statistiker graben. Vergleichbare Tourismuszahlen gab es zuletzt vor der Wiedervereinigung in den 1980er Jahren, als sich die Übernachtungszahlen im Schnitt zwischen 34 und 35 Millionen bewegten. „Die weltweite Corona-Krise hat die gesamte Reisebranche wirtschaftlich um Jahrzehnte zurückgeworfen“, sagt Andreas Braun, Geschäftsführer der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg (TMBW). „Dieses Jahresergebnis belegt die verheerenden Auswirkungen der Pandemie auf den Tourismus-Standort Baden-Württemberg.“

Dabei fing alles so gut an: In den Monaten Januar und Februar setzte sich der jahrelange Aufwärtstrend zunächst fort, Ankünfte und Übernachtungen zogen noch einmal deutlich an. Selbst aus dem Ausland wurden in den ersten beiden Monaten fast 8 Prozent mehr Gäste gezählt. Mit Beginn des ersten Corona-Lockdowns im März erlebte dieser Aufwärtstrend ein jähes Ende.

Deutliche regionale Unterschiede

Der in den nächsten zehn Monaten folgende Einbruch war überall dramatisch, fiel aber im regionalen Vergleich durchaus unterschiedlich aus. Am wenigsten mussten der Hegau und die Bodenseeregion leiden, wo die Übernachtungen um 16,1 bzw. 23,8 Prozent einbrachen. Am stärksten war die Region Stuttgart mit einem Rückgang um 54,4 Prozent betroffen. Erklären lässt sich dies vor allem mit dem hohen Stellenwert von Geschäftsreisen und internationalen Gästen in Baden-Württemberg. Überall dort, wo deren Anteil vor der Krise hoch war, fielen die Einbußen besonders deutlich aus.

Daran konnte auch die im Corona-Sommer ausgeprägte Nachfrage nach Urlaub im eigenen Land unterm Strich wenig ändern. Sie kann jedoch erklären, warum beliebte Ferienregionen – etwa im Südschwarzwald oder am Bodensee – vergleichsweise weniger Rückgänge zu verschmerzen hatten. Dort war mancherorts in den Monaten zwischen den beiden Lockdowns zeitweise sogar mehr los als im Vorjahr. Im September lagen die Übernachtungszahlen am Bodensee sogar mehr als 16 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Ebenfalls im Plus, wenn auch nicht ganz so deutlich, lagen im September die Übernachtungen im Südschwarzwald und in Oberschwaben-Allgäu.

Diese regionalen und temporären Lichtblicke dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch zwischen den beiden Lockdowns, als Reisen wieder möglich waren, in den allermeisten Regionen deutliche Rückgänge zu verschmerzen waren. Auch die gestiegene Inlandsnachfrage nach Urlaubsreisen reichte meist nicht aus, um wegbrechende Geschäftsreisen und fehlende internationale Reisen zu kompensieren.

Ansturm auf Ferienwohnungen und Campingplätze

Deutliche Unterschiede zeigen sich auch beim Vergleich der Beherbergungsarten. Starke Einbußen mussten insbesondere von der Hotellerie verkraftet werden, vor allem in den Städten. So manches Geschäftshotel ließ sich mit der Wiedereröffnung nach dem Restart Zeit, weil kaum Gäste zu erwarten waren. Auch erste Insolvenzen gilt es bereits zu verzeichnen. Aber auch Jugendherbergen, Hütten und Gemeinschaftsunterkünfte verzeichneten überdurchschnittlich hohe Verluste. Ferienwohnungen und Ferienhäuser, Vorsorge- und Rehabilitationskliniken sowie Campingplätze konnten hingegen ihre Marktanteile ausbauen. Der von Corona befeuerte Trend zu „Cocooning“ und autarken Wohneinheiten zeigt hier deutliche Auswirkungen auf die Statistik.

Abschließend verdeutlicht auch ein Blick auf die internationalen Quellmärkte, wie stark die Pandemie den Tourismus verändert hat. Baden-Württemberg gehörte zuletzt zu jenen Destinationen, die besonders stark vom weltweiten Tourismuswachstum profitierten. 2019 kamen 23 Prozent aller Übernachtungsgäste aus dem Ausland, mehr als jede fünfte Übernachtung fiel auf internationale Reisende. Grenzschließungen und Einreisequarantäne hatten hierzulande entsprechend starke Auswirkungen. 2020 lag der Anteil ausländischer Gäste nur noch bei 16,7 Prozent, ihr Anteil an den Übernachtungen fiel auf 14,3 Prozent. Dass ihre Gewichtung nicht noch stärker einbrach, verdankt sich vor allem den europäischen Nachbarn, die trotz aller Einschränkungen weiterhin ins Land reisten.

Information

Detaillierte Zahlen und Fakten zum Tourismusjahr 2020 in Baden-Württemberg gibt es beim Statistischen Landesamt Baden-Württemberg.


Autor(in): Martin Knauer
Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg
Pressesprecher
E-Mail: m.knauer@tourismus-bw.de
Kommentarbereich einblenden Kommentarbereich ausblenden

Keine Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Teilen über:

Weitere Artikel



Impressum  ·   Datenschutzerklärung  ·   Login