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Urlaubstrends 2021: Saisonstart mit vielen Fragezeichen

18. März 2021
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Alle blicken mit Spannung auf den touristischen Neustart nach dem Corona-Lockdown. Wie wird das Reisejahr 2021 und wie geht es danach weiter? Schließlich: Bleibt das Interesse am Inlandsurlaub bestehen oder war es nur ein Strohfeuer? Eine erste Bilanz mit unterschiedlichen Einschätzungen.

Wenn der Tourismusforscher Martin Lohmann auf der Urlaubsmesse CMT seine Reiseanalyse vorstellt, dann ist das immer interessant, aber selten spektakulär: Seit Jahren sind die Zahlen im Tourismus stabil, eine prosperierende Branche mit hoher Nachfrage und einer Bevölkerung mit ausgesprochen großer Reiselust. Diesmal freilich war alles anders, nicht nur, weil die CMT 2021 als Publikumsmesse ausfiel und Lohmann im Rahmen einer Online-Veranstaltung sprach: Die Zahlen, die er präsentierte, hatten rein gar nichts mehr mit den Rekorden der Vergangenheit zu tun. Rückgang des internationalen Tourismus 2020 um 72 Prozent, in Deutschland um über 40 Prozent: „Die jahrelange Stabilität der touristischen Nachfrage auf hohem Niveau fand so ein abruptes Ende“, lautete seine nüchterne Bilanz.
Natürlich waren alle gespannt, wie der Experte die Aussichten für das Reisejahr 2021 einschätzen würde: Ein neuerlicher Einbruch oder eine schnelle Erholung, ein abermaliger Inlandsboom oder eine schnelle Rückkehr zu alten Reisemustern? Mitten im unendlich erscheinenden Lockdown wahrhaft schwer zu beantwortende Fragen.

Die Reiselust ist ungebrochen

Immerhin eine gute Nachricht hatte Lohmann parat: Das Interesse an Reisen ist erfreulich hoch. Rund 80 Prozent der Deutschen beschäftigen sich mit Urlaubsgedanken und ein erstaunlich hoher Anteil von ihnen ist finanziell auch in der Lage zu reisen. Die wirtschaftliche Situation in den Privathaushalten hat sich nach den Erhebungen der FUR-Reiseanalyse nicht in dem Ausmaß verschlechtert wie befürchtet. Wohin die Menschen reisen, hängt freilich auch von den Corona-Maßnahmen und Reisemöglichkeiten ab: Da rechnet Lohmann „frühestens für die zweite Jahreshälfte 2021 mit einer Rückkehr zu bisherigen Reisemustern“. Vor allem an Flug- und Fernreisen sei das Interesse derzeit sehr gering.
Das heißt nichts anderes, als dass die Saison 2021 noch einmal in hohem Maße der von 2020 gleichen wird. Inlandsurlaub ist Trumpf. Darauf stellt sich auch Andreas Braun, Geschäftsführer der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg (TMBW), ein. „Wenn sich die Fesseln lockern, wird es eine unbändige Reiselust geben“, sagt er. Eine Reiselust, die viele Deutsche noch einmal primär ins eigene Land führen wird. Die TMBW unterstützt das mit einer großen Restart-Kampagne, mehrere Millionen stehen für das Landesmarketing und die Regionen zur Verfügung. Auf dem Freizeittourismus ruhen große Hoffnungen, zumal sich der Markt der Geschäftsreisen nicht so schnell erholen wird und womöglich dauerhaft auf niedrigerem Niveau bleibt.

Mit Qualität und Werten überzeugen

Da sind die im Vorteil, bei denen es schon immer mehr um Urlaubsreisen ging. Der Schwarzwald zum Beispiel: Dort gab es 2020 zwar einen Rückgang von gut 35 Prozent, aber eine insgesamt sehr gute Sommersaison. „Das wird auch 2021 so sein“, prophezeit Hansjörg Mair, Geschäftsführer der Schwarzwald Tourismus GmbH (STG). Er zeigt sich optimistisch, was die weitere Entwicklung angeht: „Nach einer solchen Krise suchen die Menschen Sicherheit, Natur und Weite. All das können wir im Schwarzwald bieten.“ Mair setzt auf den guten Ruf der Bundesrepublik Deutschland bei der Pandemiebekämpfung. Das werde sich auch im Tourismus niederschlagen. Die Gäste aus den Nachbarländern würden bald wiederkommen und bei den Inländern habe man 2021 noch einmal eine große Chance: „Wir müssen die Leute durch Qualität überzeugen“, so die Meinung des STG-Geschäftsführers.
Die Frage freilich, ob das hohe Interesse aus dem Inland von Dauer sein wird, ist nicht so leicht zu beantworten. Tourismusforscher Martin Lohmann geht nicht von einer generellen Veränderung der Präferenzen aus, grundsätzlich werde auch die Nachfrage nach Auslands- und Strandurlauben bleiben. Auch TMBW-Geschäftsführer Andreas Braun ist vorsichtig, was die Langfristigkeit der hohen Inlandsnachfrage angeht. „Die Deutschen reisen gerne ins Ausland und da sollte man auch nicht moralisch werden“, sagt er. Gleichwohl geht er davon aus, dass der Bedarf an Fernreisen abnehmen wird: Ein gewandeltes Umweltbewusstsein spiele dabei eine Rolle, aber auch das sich verteuernde Angebot an Flugreisen, weil viele Airlines die Krise vermutlich nicht überleben würden.

Wandern und Radfahren werden beliebter

Feldberg statt Fidschi-Inseln also: Auf jeden Fall haben die Deutschen 2020 die Natur im eigenen Land in einem Umfang für sich entdeckt wie noch nie zuvor. Die Wanderwege sind hochfrequentiert, ein Trend, der nach Erhebungen des Deutschen Wanderverbandes (DWV) auch 2022 anhalten wird. Ganz offenbar sind viele auf den Geschmack gekommen und wollen aus dem Corona-Notprogramm eine Tugend machen, frei nach dem Motto „Hab‘ ich gar nicht gewusst, dass es hier so tolle Wege gibt.“
Das freilich führt auch zu Konflikten. Über die Hälfte der vom DWV Befragten berichten von Problemen zwischen Wanderern und Mountainbikern. Fahrradfahren ist das zweite wichtige Boom-Thema der Corona-Krise. Der Schwäbische Alb Tourismusverband (SAT) will deshalb „die eigene Infrastruktur für Mountainbiker stärken“, wie SAT-Geschäftsführer Louis Schumann erklärt. Im Landkreis Tübingen soll es neue Radwege geben und mit der Fernroute „Albcrossing“ wurde eine fast schon vergessene Mountainbike-Strecke reaktiviert. Immer mehr Hotelbetriebe beginnen auf der Schwäbischen Alb, den Tourismus für sich zu entdecken. Nicht wenige Häuser hatten bis vor Kurzem dort im Sommer ganz zu, weil für sie der Urlaubsreiseverkehr keine Rolle spielte. 2020 jedoch hat sich der Wind gedreht. Nun ruhen gerade auf diesem die Hoffnungen, die Nachfrage nach der freizeittouristisch ausgerichteten „AlbCard“ nahm sprunghaft zu und umfasst inzwischen rund 150 Gastgeberinnen und Gastgeber.
Je mehr Regionen primär auf den Urlaubstourismus setzen, desto stärker wird die Konkurrenz. „Alle werden im Frühjahr da sein und ihre Angebote bewerben“, sagt Rainer Schwarz, Geschäftsführer der PR-Agentur RSPS in Tübingen. Mehr denn je werde es darauf ankommen, dass die eigenen Stärken und unverwechselbaren Merkmale herausgehoben werden. Schwarz befürchtet auch eine Reizüberflutung im Online- und Social-Media-Bereich. „Manchmal ist die Anzahl der Bilder einfach zu hoch und die Sehnsucht nach dem guten alten Buch plötzlich wieder da“, sagt Schwarz.

Neue Erwartungen an eine leidende Branche

Da passt das Jahresthema der TMBW für 2021 („Entspannter Süden“) eigentlich ganz gut: Um Entschleunigung geht es dabei, den entspannten Urlaub in Baden-Württemberg, sei es beim Pilgern, Wandern, bei Wellness-Angeboten oder in der gesunden Slow-Food-Küche auf dem Öko-Hof. „Eine Krise ist Stress, es gibt eine große Sehnsucht nach Erholung“, meint auch TMBW-Pressesprecher Martin Knauer.
„Sinn statt Fun“: Das identifiziert Petra Reinmöller, Geschäftsführerin der Agentur PR2 in Konstanz am Bodensee, als einen Trend der Zeit. Sie stützt sich dabei auch auf Untersuchungen des Zukunftsinstituts, die ein Ende des überhitzten Erlebnis-Tourismus voraussagen. Der Bodensee hat da mit seiner starken Nachhaltigkeitsorientierung und vielfältigen Gastronomie verhältnismäßig gute Karten. Wie gut Letztere nach der Corona-Krise allerdings aufgestellt ist, muss sich erst noch zeigen: Reinhard Thiele, Hotelier und Unternehmensberater aus Konstanz, erlebt gerade, wie viele seiner Kolleginnen und Kollegen in die Insolvenz gehen: „Inzwischen sind auch Traditionsbetriebe in der fünften und sechsten Generation darunter.“
Landauf landab schmelzen die Rücklagen in der Gastronomie und Hotellerie dahin. Die Einnahmen sind gering, der Aufwand jedoch hoch, weil mit jedem neuen Lockdown Buchungen wieder verschoben werden mussten. Das Reservierungsverhalten der Gäste wird derweil immer kurzfristiger, die Bereitschaft, Geld anzuzahlen, ist aufgrund der Unsicherheit gering. „Von den Anbietern erwartet man ein hohes Maß an Flexibilität und Kulanz“, heißt auch das Fazit von Tourismusforscher Martin Lohmann. Der Informationsbedarf sei immens hoch, die Ansprüche an Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen ebenfalls, derweil der Urlaubsspaß aber nicht leiden dürfe. So gut die Inlandsaussichten also 2021 auch sein mögen: Auch dieses Jahr steht die Tourismusbranche noch einmal vor großen Herausforderungen.

 

INFORMATION

Der Beitrag unseres Autors Andreas Steidel ist eine Kurzfassung seines Artikels in der jüngsten Ausgabe des Magazins „Tourismus Aktuell“. Darin informiert die TMBW zweimal im Jahr über aktuelle Trends und Entwicklungen im Tourismus. Das Magazin kann kostenlos bestellt oder abonniert werden.

Ansprechpartner:

Dr. Martin Knauer
m.knauer@tourismus-bw.de


Autor(in): Manuel Mielke
Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg
Stabstelle Kommunikation & Koordination
E-Mail: m.mielke@tourismus-bw.de
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