Menü

Städtereisen während und nach Corona

31. März 2021
Aktuelle Informationen zum Coronavirus (SARS-CoV-2) finden Sie hier.

Städte sind von der Corona-Krise ganz besonders betroffen. Die internationalen Gäste bleiben weg und die Geschäftsreisen gehen vermutlich dauerhaft zurück. Doch es gibt interessante neue Ansätze, hier mit Themen gegenzusteuern, die bisher im Städtemarketing kaum eine Rolle gespielt haben.

Auf malerischen Wegen nähert man sich dem Karlsruher Schloss. Von der Rückseite des Parks führt ein Radweg mitten durch den Hardtwald auf die badische Residenz zu. Von dort geht es auf verschlungenen Wegen weiter durch die Großstadt: Zum „Alten Flugplatz“, der heute ein Biotop ist, durch die Rheinauen, in deren Mitte ein altes Ausflugslokal liegt, zu den renaturierten Uferflächen der Alb, in deren klarem Wasser Familien baden. „NaturRadtour“ heißt die 45 Kilometer lange Runde um und durch die badische Metropole Karlsruhe. Sie wurde 2017 eröffnet und erschließt die Stadt auf eine ganz neue Art und Weise. Mit einer praktischen, kostenlosen Karte und der durchgängigen Wegweisung lernt man so alles von einer anderen Seite kennen und staunt, wie grün es zwischen den Straßen und Häuserzeilen doch ist. Die „NaturRadtour“ ist ein wichtiger Baustein im Karlsruher Tourismuskonzept. Bis vor ein paar Jahren war die badische Großstadt fast ausschließlich ein Ziel für Geschäftsreisende. Mit etwa 80 zu 20 beziffert Yvonne Halmich von der Karlsruhe Tourismus GmbH (KTG) das ursprüngliche Verhältnis von Business- und Freizeit-Tourismus. Doch das ändert sich gerade.

Umdenken erforderlich

Bereits vor der Corona-Krise haben die Tourismusverantwortlichen in Karlsruhe begonnen, neue Zielgruppen für sich zu entdecken: Neben den Radfahrerinnen und Radfahrern sind das die Familien, die man mit Zoo, Europabad und den Waldseilgärten anlockt, aber auch junge Leute, die über die Universität und die vielen Start-up-Unternehmen eine Affinität zu Karlsruhe haben. Mit Kneipen und Existenzgründerfabriken prägen sie ganze Stadtviertel. „Ein verstecktes Juwel, das wir für uns entdeckt haben“, wie Yvonne Halmich sagt. Die jungen Leute werden über Social Media und andere digitale Medien direkt angesprochen. Online ist inzwischen bei den meisten Kampagnen Trumpf, „aber die direkte Begegnung auf den Messen fehlt schon“, gibt Sprecherin Yvonne Halmich zu.

Wie die Karlsruher beginnen auch andere Städte in Baden-Württemberg, den Tourismus neu auszurichten. Die Corona-Krise hinterlässt tiefe Spuren, insbesondere dort, wo die Abhängigkeit von Geschäftsreisenden hoch ist wie in Heilbronn, Ulm oder Stuttgart. Also braucht es Gegenstrategien und da führt an Outdoor gerade kein Weg vorbei: Stand-up-Paddling auf dem Neckar in Heilbronn, urbanes Wandern in Stuttgart, Fahrradfahren in Ulm und Karlsruhe. „Der Lebensraum Stadt wird gerade neu definiert“, sagt Linda Luickhardt, die bei der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg (TMBW) für Städtereisen zuständige Themenmanagerin. Die meisten setzen auf urbane Outdoor- und Naturerlebnisse, „auch weil man damit die Menschen derzeit am ehesten erreichen kann“, so Luickhardt.

Der Natur auf der Spur

Auch die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) hat in einer Städtekampagne Anfang des Jahres gezielt Parks und Wege unter freiem Himmel in den Mittelpunkt gestellt. Eine neue Fokussierung, die freilich nicht bei allen auf Gegenliebe stößt: So warnt Dirk Homburg, Leiter der Kommunikation bei der Ulm/Neu-Ulm Touristik GmbH, davor, die bisherige DNA des Städtetourismus nicht aus den Augen zu verlieren: „Der Stadtreisegast kommt nicht vornehmlich wegen der Naturerlebnisse zu uns.“ Stattdessen plädiert Homburg dafür, das eigene Profil und die unverwechselbaren Themen noch stärker in den Vordergrund zu stellen, in Ulm etwa die Münsterbauhütte, Albert Einstein oder die Eiszeitfigur des Löwenmenschen. Es geht bei den Naturthemen wohl auch mehr um eine Erweiterung des Spektrums als um einen kompletten Ersatz der bisherigen Städtereise-Schwerpunkte: Im Idealfall können Aktivitäten im Freien zu einer Aufenthaltsverlängerung beitragen und ein Anreiz für Gäste sein, die die Hauptsehenswürdigkeiten schon kennen, möglichst wiederzukommen: „Die Fülle der Dinge, die es innerhalb einer Stadt gibt, ist groß, aber vieles davon ist nicht bekannt“, meint Linda Luickhardt von der TMBW.
Kooperationen sind gefragt. Manche Städte wollen daher die Vernetzung mit ihrem Umland verbessern und die Kooperation der Hotels mit touristischen Partnern. Nicht wenige Häuser, die bisher auf Geschäftsreisende setzen, müssen umdenken und Wege finden, wie sie die Menschen ansprechen können. In Freiburg strebt man eine bessere Zusammenarbeit der inhabergeführten Geschäfte in der Innenstadt an. „Die Verlängerung der Öffnungszeiten des Einzelhandels und der Kultureinrichtungen ist ein Ziel“, erklärt Christina Zimmer von der Freiburg Wirtschaft, Touristik und Messe GmbH & Co. KG (FWTM).

Städte stehen für eine vielseitige Küche

Überdies soll dort die Basisqualität der lokalen Gastronomie durch gezielte Qualifizierungsmaßnahmen gestärkt werden. Kulinarik als Argument für eine Städtereise: Eine Karte, die bisher eher selten ausgespielt wurde, ganz im Gegensatz zu ländlichen Gebieten, die mit der Regionalität ihrer Produkte und Speisekarten seit Jahren in die Werbung gehen. In der Stadt hingegen geht es beim Thema Essen und Trinken um etwas ganz anderes: Es ist die enorme Vielfalt, die das dortige Angebot auszeichnet. Da gibt es vegane Spezialitäten und Experten für hochwertige Steaks, schwäbische oder badische Hausmannskost neben vietnamesischer und afrikanischer Küche. Ein Pfund, mit dem viele Städte bisher kaum wucherten, obwohl das für eine Vielzahl von Reisenden von jeher zu den besonderen Reizen einer Großstadt gehört. „Es gibt noch viel Potenzial“, ist TMBW-Themenmanagerin Linda Luickhardt überzeugt. Handlungsbedarf sieht sie sowohl im Bereich der Produktentwicklung als auch des Marketings. Manch städtischer Rad- oder Wanderweg braucht noch eine bessere Beschilderung sowie eine Strategie, die ihn überhaupt bekannt macht. Städtereisende lieben kleine Überraschungen, „Hidden Places“, abseits der vielbesuchten Sehenswürdigkeiten – aber sie müssen erst einmal wissen, dass es diese überhaupt gibt und wo sie sie letztlich finden.

 

INFORMATION

Der Beitrag unseres Autors Andreas Steidel ist eine Kurzfassung seines Artikels in der jüngsten Ausgabe des Magazins „Tourismus Aktuell“. Darin informiert die TMBW zweimal im Jahr über aktuelle Trends und Entwicklungen im Tourismus. Das Magazin kann kostenlos bestellt oder abonniert werden.

Ansprechpartner:
Dr. Martin Knauer
m.knauer@tourismus-bw.de


Autor(in): Manuel Mielke
Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg
Stabstelle Kommunikation & Koordination
E-Mail: m.mielke@tourismus-bw.de
Kommentarbereich einblenden Kommentarbereich ausblenden

Keine Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Teilen über:

Weitere Artikel



Impressum  ·   Datenschutzerklärung  ·   Login