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Tourismus.Bewusst.Stärken

Tourismus ist weit mehr als die Beziehung zwischen Gästen und Gastgebenden. Die Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, das Verständnis für die vielen positiven Effekte des Tourismus auf alle Lebensbereiche aufzuzeigen, um so die Akzeptanz und die Unterstützung für die Branche zu steigern. Ein Gastbeitrag von Staatssekretär Patrick Rapp über ein Vorzeigeprojekt, das den Tourismus nachhaltig stärken soll.

Wenn es darum geht, den Tourismus voranzubringen und in seiner Entwicklung zu unterstützen, denken viele zunächst an die klassischen Instrumente der Wirtschaftsförderung. Das ist grundsätzlich auch richtig und enorm wichtig. Gerade vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Umsatzeinbußen war die finanzielle Unterstützung für die Branche und für die einzelnen Betriebe überlebenswichtig und sie ist es immer noch. Für eine zukunftsfähige Ausrichtung des Tourismus werden wir diese weiterhin bestmöglich unterstützen – finanziell, aber auch inhaltlich, um die Akzeptanz für diese Branche zu stärken.

Während wir uns noch in der Krise insbesondere auf finanzielle Hilfen fokussiert haben, geht es nun auch darum, die inhaltliche Unterstützung und die Überzeugungsarbeit für den Tourismus aktiv voranzutreiben.

Tourismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung

Die Landesregierung widmet sich im Rahmen des Großprojekts „Tourismus.Bewusst.Stärken“ zukünftig verstärkt dem Tourismusbewusstsein und der Tourismusakzeptanz, um ein tourismusfreundliches Umfeld zu schaffen, in dem möglichst viele Menschen an den positiven Effekten des Tourismus partizipieren können und in dem touristische Entwicklungen von einer breiten Mehrheit unterstützt werden.

Die Ausgangsbedingungen für dieses Vorhaben sind gut: Durch die pandemiebedingten Reiseeinschränkungen und die einschneidenden Veränderungen ist der Tourismus stark ins mediale Bewusstsein getreten. Gleichzeitig ist die Reiselust der Deutschen ungebrochen hoch. Viele Bürgerinnen und Bürger haben in den vergangenen zwei Jahren zu schätzen gelernt, wie schön und abwechslungsreich der Urlaub im eigenen Land sein kann. Urlaub in Baden-Württemberg bietet für alle Gäste ein passendes Angebot mit atemberaubenden Kultur- und Naturlandschaften, Schlössern, Burgen und mittelalterlichen Städten sowie faszinierenden Metropolen. Genau hier bietet sich ein geeigneter Anknüpfungspunkt, um auf den großen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Mehrwert durch den Tourismus aufmerksam zu machen.

Denn die enorme Wirtschaftskraft mit Umsätzen von jährlich über 25 Mrd. Euro im Land ist inzwischen weithin bekannt. Die vielen positiven Effekte darüber hinaus – beispielsweise auf die Lebens-, Freizeit- und Standortqualität – sind jedoch bislang deutlich weniger bewusst. Der Tourismus erfüllt eine wichtige strukturpolitische Aufgabe in Baden-Württemberg. Er wirkt als Stabilisator oder gar Motor der Regionalentwicklung, verbessert die Infrastrukturausstattung, erhöht die Attraktivität der Orte und Regionen und stärkt die regionale Standortqualität. Zugleich steigert er mit seinen Angeboten die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger. Als klassische Querschnittsbranche gibt es kaum einen Wirtschaftsbereich, der nicht vom Tourismus profitiert.

Um das Tourismusbewusstsein dauerhaft zu etablieren und so eine positive Grundstimmung zu erreichen, werden in dem Projekt alle betroffenen Akteursgruppen einbezogen: Bevölkerung, Politik und (branchenfremde) Unternehmen.

Anerkennung und Fachkräftesicherung

Der Tourismus soll als wichtiger Faktor für ein gutes Leben verstanden werden. Freizeitaktivitäten und gesundheitliche Versorgung, aber auch die Versorgung des täglichen Bedarfs sollen in direktem Bezug zum Tourismus verstanden werden. Dieses Bewusstsein führt zu einer positiven Grundeinstellung sowie zu einer gesteigerten Akzeptanz des Tourismus innerhalb der Bevölkerung. Wir können damit erreichen, dass Bürgerinnen und Bürger, aber auch die Politik und branchenfremde Unternehmen den Tourismus aktiv unterstützen. Das kann bei Unternehmen zum Beispiel in Form von Kooperationen oder Public-Private-Partnership-Konzepten sein. Die Politik kann landesweit, aber auch regional und lokal die Weichen stellen, um langfristig den Tourismus zu fördern. Im Rahmen des Projekts und der Multimedia-Kampagne soll eine Community entstehen, die in wechselseitiger Kommunikation und Aktion steht.

Das Hauptziel ist es, das Tourismusbewusstsein und die Tourismusakzeptanz in Baden-Württemberg zu steigern. Außerdem möchten wir den Tourismus als Querschnittsbranche aktiv in den Fokus der einheimischen Bevölkerung rücken und damit auch für den Fachkräftenachwuchs attraktiver machen.

Beteiligungsformate ermöglichen breite Kommunikation

Aufgrund der hohen Komplexität des Themas und der unterschiedlichen Interessen der Stakeholder sind verschiedene Bausteine innerhalb des Projekts „Tourismus.Bewusst.Stärken“ geplant, um das Tourismusbewusstsein bei diesen – Bevölkerung, Unternehmen und Politik – möglichst umfassend und zielgruppengerecht zu durchdringen: Eine Ausgangsanalyse mit (Online-)Befragungen und Experteninterviews erfasst den Status quo und gibt Aufschlüsse über wichtige Anknüpfungspunkte für den gesamten weiteren Prozess. In Anlehnung an den bundesweit erhobenen Tourismusakzeptanzsaldo (TAS) sollen darüber hinaus regionale Effekte des Tourismus sowohl in einer Befragung als auch durch Berechnung des Wirtschaftsfaktors Tourismus für die Reiseregionen in Baden-Württemberg erhoben werden.

Daran schließt sich eine Kommunikation in zwei Phasen an. In Phase 1 werden überwiegend Tourismusakteurinnen und -akteure, die Wirtschaft und die Politik im Land angesprochen und als wichtige Multiplikatoren gewonnen. Phase 2 der Kommunikation richtet sich mit einer multimedialen Strategie an die breite Bevölkerung und soll alle Interessierten in Austausch zueinander bringen. Vertieft wird die Kommunikation durch Regionalkonferenzen und Bürgerdialoge, die in den sechs großen Reisegebieten Baden-Württembergs mit jeweils regionalspezifischen Schwerpunkten durchgeführt werden. Aufgrund der verschiedenen Voraussetzungen in den Regionen ist es wichtig, auf die einzelnen Stakeholder und touristisch Aktiven vor Ort zuzugehen und sie mit ihren jeweils unterschiedlichen Bedürfnissen und Ansätzen einzubeziehen. Hier sind beispielsweise die Sicherung der Nah- und Gesundheitsversorgung insbesondere in ländlich geprägten Regionen, kultureller Austausch und Diversität, Naherholung, Mobilität und selbstverständlich auch der Beitrag zur Nachhaltigkeit zentrale Themen. Diese Formate sind in den Frühlings- und Sommermonaten geplant.

Auf den Ergebnissen dieses Kommunikationsprozesses soll schließlich ein Wettbewerb für Modellprojekte in den jeweiligen Regionen aufbauen. Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts wird zudem auf den 55 prädikatisierten Heilbädern und Kurorten im Land liegen, welche wesentlich zur touristischen Infrastruktur beitragen und eine besonders hohe Lebensqualität bieten. Insgesamt sollen die Menschen in Baden-Württemberg in einen Austausch kommen und die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sollen durch Argumentationshilfen in ihren Handlungen gestärkt und unterstützt werden. Eine Abschlussevaluation wertet die Projekterfolge aus und gibt zudem Handlungsempfehlungen für die weitere Entwicklung des Tourismusbewusstseins und der Tourismusakzeptanz in Baden-Württemberg.

Nährboden für eine nachhaltige Tourismusentwicklung

Bereits die Tourismuskonzeption formuliert die „Umsetzung von Maßnahmen wie Öffentlichkeitsarbeit und Beteiligungsprozesse zur Förderung des Tourismusbewusstseins bei touristischen Akteuren, Betrieben, Politik und Bevölkerung“ als eine von insgesamt zehn Schlüsselmaßnahmen. Es hat sich zudem in den vergangenen Monaten zunehmend herauskristallisiert, dass das Tourismusbewusstsein ein wichtiger Nährboden für weitere wichtige Themenfelder für die nachhaltige Tourismusentwicklung ist.

Im regelmäßigen Austausch mit den Tourismusverbänden und Destinationsmanagementorganisationen im Land zeigt sich zudem wiederholt, dass es sich bei dem anstehenden Projekt um ein brandaktuelles Thema handelt, welches dazu beitragen kann, dass die Folgen der Corona-Pandemie auf den Tourismus in den Regionen und ganz besonders in den Städten (u. a. durch starke Veränderungen beim Geschäftsreisetourismus) überwunden werden. Insbesondere werden die Zusammenarbeit gestärkt, Abstimmungsprozesse erleichtert und das Verständnis für die Belange des Tourismus gesteigert und somit die touristische Arbeit insgesamt erleichtert.

Über den Autor:

Dr. Patrick Rapp ist Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg. Der promovierte Forstwissenschaftler wurde 1968 in Stuttgart geboren und arbeitete zunächst in der Lebensmittel- und Holzindustrie. Seit 2011 ist er Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg und war bis zu seinem Wechsel in die Landesregierung Tourismuspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion.

Weitere Informationen zum Projektfortschritt, wann die Regionalkonferenzen und Bürgerdialoge in Ihrer Region stattfinden und wie Sie sich selbst einbringen können, werden regelmäßig hier im Tourismusnetzwerk Baden-Württemberg veröffentlicht.

Dieser Beitrag ist eine Kurzfassung eines Artikels im Magazin „Tourismus Aktuell“. Darin informiert die TMBW zweimal im Jahr über aktuelle Trends und Entwicklungen im Tourismus. Das Magazin kann kostenlos bestellt oder abonniert werden.

Ansprechpartner für “Tourismus Aktuell”:
Dr. Martin Knauer
m.knauer@tourismus-bw.de



Autor(in): Martin Knauer
Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg
Pressesprecher
E-Mail: m.knauer@tourismus-bw.de
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