7. Dezember 2018

Gemeinschaftswerk

Kurz vor Weihnachten noch ein paar salbungsvolle Worte gefällig? Oder lieber ein Appell, verbunden mit einer Mahnung? Nun, das eine gibt‘ s heute nicht ohne das andere: Ich hätte da eine Cuvée aus beidem für Sie.

Ein ereignisreiches, spannendes und überaus intensives Tourismus-Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Die Zahlen sind fast durchweg blendend, das Wachstum hat sich erneut fortgesetzt: viel Sonne, wenig Schatten. Allerdings wird auch wieder lebhaft über die Grenzen des Wachstums diskutiert. Die Akzeptanz ist nicht a priori da. Das heißt, wir müssen Tourismus erklären, erläutern, einbetten, für ihn werben, gegebenenfalls Brücken schlagen zu denen, die ein Problem damit haben. Und gemeinsam nach Lösungen suchen. Besucherlenkung oder Saisonverlängerung, so zum Beispiel lauten zwei in diesem Jahr wieder häufiger gebrauchte Stichworte.

Auch sonst kann sich trotz der vielen guten Nachrichten derzeit niemand in die Hängematte legen. Vielmehr beschleunigt sich die Digitalisierung. Und auf die DMOs kommen in immer schnellerem Rhythmus neue Aufgaben zu. Die bange Frage lautet: Hält die Politik mit der Entwicklung Schritt? Sind die Rahmenbedingungen (noch) adäquat? Die engagierte Debatte um das neue Landestourismuskonzept für Baden-Württemberg sowie die hohe Beteiligung an Workshops und Konferenzen immerhin machen Mut und zeugen von einem gewachsenen Selbstbewusstsein der Branche.

Allein die rege Teilnahme ist ein Wert an sich. Denn auch der Weg zum Ziel ist schon ein Teil desselben, ist eine entscheidende Etappe auf dem Weg zum Ziel. Dass über den Tourismus lebhaft geredet wird, über Perspektiven und Strategien, Aufgabenverteilung und Strukturen, Rahmenbedingungen und Wünsche, ist wichtig und wohltuend. Es schafft Aufmerksamkeit und schärft das Bewusstsein. Doch Achtung: ein Landestourismuskonzept ist kein Wunschkonzert! Es gibt nicht den einen Adressaten (wahlweise den Staat, das Land, die Politik), der am Ende alle Erwartungen erfüllt und alle Wünsche tunlichst befriedigt. Tourismus ist keine hierarchische Veranstaltung, er funktioniert vielmehr subsidiär. Natürlich darf auf gute Rahmenbedingungen gepocht, Förderung eingefordert werden. Am Ende trägt jeder Akteur aber auch selber Verantwortung – auf seiner Ebene, in seinen Gremien und Netzwerken, in seinem Umfeld. Tourismus bleibt ein Gemeinschaftswerk.

Braun bloggt – Andreas Braun schreibt an dieser Stelle über Fragen rund um den Tourismus. Es sind Einwürfe und Gedanken. Reaktionen sind erwünscht, auch Widerspruch. Das Ziel: ein fruchtbarer Diskurs über unsere Branche und darüber, was uns umtreibt.



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Autor(in)

Andreas Braun
Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg

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