Tourismus = weltoffen

26. Januar 2018

Seit einigen Tagen wissen wir, dass dem Tourismusausschuss des Deutschen Bundestags in der neuen Legislaturperiode wohl ein AfD-Abgeordneter vorsitzen wird.  Das ist unerfreulich und sogar widersinnig. Denn Tourismus bedeutet: Offenheit, Gastfreundschaft, Willkommenskultur, Interesse an anderen Kulturen und Menschen, folglich auch Toleranz und Respekt. Die AfD ist leider nicht frei von fremdenfeindlichen und rassistischen Positionen. Das passt nicht zusammen.

Mehr als ein Fünftel der Übernachtungen in Baden-Württemberg wird durch ausländische Gäste generiert. Und die Perspektiven des internationalen Tourismus legen nahe, dass dieser Anteil noch wachsen könnte. Diese Menschen interessieren sich zum Beispiel für unser kulturelles Erbe, sie besuchen Sehenswürdigkeiten und gehen shoppen. Sie geben nicht wenig Geld aus, mehr übrigens als inländische Gäste. Und diese Menschen kommen von überallher. Die einen haben diese, die anderen jene Hautfarbe. Manche sind katholisch, andere muslimisch. Ja, sogar arabische Gäste kommen sehr gerne nach Deutschland und nach Baden-Württemberg. Und sie geben richtig viel Geld aus.

Das alles zeigt: Tourismus schafft nicht nur menschliche Begegnung. Er ist auch Wirtschaftsfaktor. Schädliche Einflüsse können wir nicht gebrauchen. Noch etwas sollten wir bedenken: In kaum einer anderen Branche ist der Anteil von Beschäftigten mit ausländischem Pass oder Migrationshintergrund so groß wie in Gastronomie und Hotellerie. Diese Menschen halten die Branche mit am Laufen.

Insofern ist es mehr als gerechtfertigt, wenn wir Touristiker uns Sorgen machen im Hinblick auf manche Entwicklungen in jüngerer Zeit. Aber mal ehrlich: Lassen wir doch die Kirche im Dorf! Ein Ausschussvorsitzender bringt uns nicht ins Wanken. Die AfD ist demokratisch gewählt. Es ist falsch, diese Partei zu dämonisieren oder auch ihre so gern eingenommene Opferrolle noch zu bestätigen. Unsere Argumente sind und bleiben stark. Tourismus lebt vom Austausch, nicht von Abschottung und Ausgrenzung.

Braun bloggt – Andreas Braun schreibt an dieser Stelle über Fragen rund um den Tourismus. Es sind Einwürfe und Gedanken. Reaktionen sind erwünscht, auch Widerspruch. Das Ziel: ein fruchtbarer Diskurs über unsere Branche und darüber, was uns umtreibt.


Autor(in): Andreas Braun
Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg
Geschäftsführer
E-Mail: a.braun@tourismus-bw.de
Telefon: +49 (0)711 / 23858-20
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2 Kommentare

Kommentare




  1. Louis Schumann sagt:

    In diesem Zusammenhang interessant die kürzlich veröffentlichte Reiseempfehlung der New York Times “52 places to go to in 2018”: https://www.nytimes.com/interactive/2018/travel/places-to-visit.html

    Darunter auf Platz 23 Germany’s Western States. Titel: Teutonic tolerance & technology.

  2. Siegfried Grammel sagt:

    Leider richtig: Die AfD ist demokratisch gewählt – Schlussfolgerung: Alle im Tourismus tätigen sollten bei den nächsten Wahlen schon aus berufsetischen Gründen andere “Alternativen” ankreuzen.

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